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8. Februar 2017

paste© - Kopieren als kulturelle Praxis im Zeitalter der Digitalisierung

21. und 22. April 2017


paste© – Kopieren als kulturelle Praxis im Zeitalter der Digitalisierung
Die Praxis des Kopierens ist so allgegenwärtig geworden, dass sie kaum noch als solche wahrgenommen wird. Selbstverweise auf die Tätigkeit offenbaren sich nur in Momenten der Störung: wenn eine Fälschung als solche erkannt wird, wenn ein Schaffender Urheberrechte einfordert. Das Kopieren wird sichtbar und damit auch inhärente Elemente des Prozesses wie Aneignung, Urheberschaft und Verbreitung.

Jede Kopie verdoppelt ihr Original. Jedes Original hat eine_n Urheber_in, jede Kopie ebenso. Bei jedem Kopiervorgang wird sich das zu kopierende Objekt zunächst angeeignet, um es dann entweder als Duplikat zu verbreiten oder es zu transformieren und mit anderen Objekten zu kombinieren, sodass eine Version des Originals entsteht. Das kann so weit gehen, dass das Original in seiner Nachahmung nicht mehr als solches erkennbar ist.

Im Zeitalter der Digitalisierung lösen sich durch die Hypermedialität der zugrunde liegenden Techniken mediale Beschränkungen auf. Im Reich des Binärcodes sind Kopie und Original gleichberechtigt. Wie gehen wir damit um? Befinden wir uns schon längst in einer Remixkultur, für deren Praktiken das Modell von geistigem Eigentum schließlich überholt erscheint? Ist jede Art von Aneignung ethisch vetretbar?

Die Tagung paste© beleuchtet vor dem Hintergrund dieser Fragen drei Momente der potenziellen Störung im Diskurs der Kopie, um bestimmte Sachverhalte aus neuen Perspektiven darzustellen und zu diskutieren.

So nehmen wir die aktuelle Debatte über das Verbreiten von Informationen in sozialen Netzwerken auf. Besonders visuelle Beiträge werden in sekundenschnelle geteilt; ob die Meldung gefälscht ist, stellt sich oft erst im Nachihnein heraus. Wie reagieren Politik und Gesellschaft? Welche Lösungsansätze bieten die Plattformen? paste© fordert kein Verbot der Kopie, sondern geht der Bedeutung des Phänomens nach.

Wissenschaftliches Arbeiten geht vom Kopieren aus: akademische Standpunkte werden erörtert, verglichen, verworfen und eigene Thesen daraus abgeleitet. Denn Wissen beruht immer auf Vorwissen. Die Kopie hat in der Wissenschaft einen hohen Stellenwert, insofern sie als solche gekennzeichnet wird. Doch Plagiatsvorwürfe häufen sich, Ghostwriting- Agenturen sind nur ein paar Klicks weit entfernt. paste© möchte diesen prekären Bereich des akademischen Diskurses beleuchten und Lösungsansätze diskutieren.

Aneignung wird nicht nur als Element von Kreativität und Inspiration verstanden. Wie verantwortlich ist man gegenüber der Kultur, aus der man schöpft? Wann bewegt man sich im Bereich kultureller Aneigung? Fast Fashion, Lokalisierung von TV-Formaten, Remix- und Sampletechniken: hier wird Neues kreiert, indem auf Vorheriges zurückgegriffen wird. Bestehen zwischen dem Bild eines kulturellen Kreises und der Praxis des Kopierens Wechselwirkungen? Und wie entwickeln sich diese im Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung? Formt die Remixkultur inzwischen unser Weltbild? paste© möchte die Aufmerksamkeit auf Bereiche lenken, in denen Kopieren eine gängige kulturelle Praxis darstellt und die Tragweite, sowie Verantwortlichkeit, der dort Schaffenden hinterfragen.

paste© — Kopieren als kulturelle Praxis im Zeitalter der Digitalisierung
Eine Tagung des Instituts für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln
21. und 22. April 2017
Ein Projekt im Rahmen des Masterstudiengangs Medienkulturwissenschaft
https://copypastekzp.wordpress.com/
https://www.facebook.com/pastemekuwi/