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Forschungsprojekte der Philosophischen Fakultät 2017/2018

Im Blitzlichtgewitter

Das sprachliche Organisationsprinzip „Prominenz“ spielt im Verarbeiten der
tagtäglichen Informationsflut eine zentrale Rolle

Prof. Dr. Klaus von Heusinger (SFB-Sprecher) | Institut für deutsche Sprache und Literatur I

Der Sonderforschungsbereich 1252 der Sprachwissenschaften wird für zunächst vier Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert

 

Prominenz ist wahrscheinlich ein in allen Sprachen gültiges Prinzip, das hilft, Gesagtes oder Geschriebenes so zu organisieren, dass das Gegenüber schneller versteht, worum es uns geht. Denn es trennt wichtige von weniger wichtigen Informationen und hilft bei der raschen Verarbeitung von Input. 

Dieses Phänomen hat auf den ersten Blick nichts gemein mit den schönen Stars und Sternchen, die wir aus der Klatschpresse kennen. Nur der Name ist derselbe: Prominenz. Er stammt vom Verb lat. prominere, das sich mit ‚hervorragen‘ übersetzen lässt. Wer prominent ist, sticht also heraus aus der Masse, steht im Vordergrund. Und das gilt nicht nur für Celebrities, sondern auch für sprachliche Ausdrücke, die in einer Äußerung besonders prominent sein und deshalb eine ‚besondere Rolle‘ spielen können.
Anders als Celebrities sind prominente Ausdrücke allerdings nicht permanent im Fokus, sondern stehen nur ab und zu auf dem roten Teppich. Wie sich dieser rote Teppich ausbreitet, das heißt, wie Prominenz im Detail in den verschiedenen Sprachen funktioniert, ist Kernfrage des Sonderforschungsbereichs 1252 „Prominence in Language“. An diesem großen Forschungsverbund der Uni Köln arbeiten über siebzig Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler zusammen – von der Afrikanistik bis zur Slawistik.
Prominenz ist etwas, das jede und jeder von uns in jeder Äußerung scheinbar intuitiv einsetzt. Im Informationsaustausch ragen einige Wörter heraus und organisieren dadurch den Informationsfluss. So spricht man einerseits von Prominenz, wenn ein Wort in einer geäußerten Sequenz zum Beispiel durch Lautstärke oder Dehnung betont wird. Andererseits bestimmen prominent gemachte Wörter den Aufbau von Äußerungen und Diskursen.
Die dynamische Produktion von sprachlichen Äußerungen liefert spannende Einblicke in Denkprozesse. Wie vermitteln wir unserem Gegenüber, was uns an der gesagten Äußerung wichtig ist? Und wie sieht das Wechselspiel zwischen Sprache und Denken aus: Inwieweit strukturieren die sprachlichen Ressourcen unser Denken und weitere kognitive Prozesse wie Bildwahrnehmung oder Orientierung im Raum?

Zur Beantwortung dieser grundlegenden Fragen kommen im SFB „Prominence in Language“ nahezu alle linguistischen Teildisziplinen wie Typologie, Phonologie und Phonetik, Morphosyntax, Semantik, Diskurspragmatik, Psycho- und Neurolinguistik zusammen. Mithilfe von theoretischen und experimentellen Methoden von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) bis Korpusrecherchen ist das Team breit aufgestellt, um das bisher wenig verstandene Prominenzprinzip in der Sprache erstmals schrittweise ins Rampenlicht zu rücken.

Text: Frieda Berg

Foto: SFB 1252 | Frieda Berg

Kontakt

Institut für deutsche Sprache und Literatur I
Prof. Dr. Klaus von Heusinger

Frieda Berg, Kommunikationsmanagerin SFB 1252 f.berg@uni-koeln.de

E-Mail klaus.vonheusinger(at)uni-koeln.de, f.berg(at)uni-koeln.de


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