zum Inhalt springen
Forschungsprojekte der Philosophischen Fakultät 2017/2018

Hochfläche in den Bale Mountains. Die gesamte Ausrüstung muss mit Packpferden transportiert werden. (Foto R. Vogelsang)

Gunstraum oder Peripherie?

Die Erschließung einer afrikanischen Hochgebirgsregion durch steinzeitliche Jäger und Sammler

Dr. Ralf Vogelsang | Institut für Ur- und Frühgeschichte,
Forschungsstelle Altsteinzeit

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Forschergruppe FOR 2358

Hochgebirgsregionen gelten im Allgemeinen als ungünstige Lebensräume, die besondere Herausforderungen an den Menschen stellen. Ihre Besiedlung wird deshalb erst für die letzten Jahrtausende angenommen, ausgelöst durch Landknappheit in den Tieflandregionen aufgrund von Bevölkerungswachstum oder Veränderungen der Umweltverhältnisse. Andererseits werden tropische Gebirgsregionen in Ostafrika immer wieder als potentielle Rückzugsorte in Zeiten extremer Trockenheit genannt, beispielsweise vor ca. 20.000 Jahren, als große Teile des Horns von Afrika unbewohnbar waren.

Eine 2016 von der DFG bewilligte Forschergruppe untersucht diese Fragestellung in den Bale Mountains in Äthiopien, dem größten zusammenhängenden alpinen Ökosystem des afrikanischen Kontinents. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit gelten diese Berge als ein unberührter Naturraum, der besonders reich an endemischen Arten ist. Die interdisziplinäre Forschergruppe stellt dagegen jedoch die These auf, dass die Region bereits von steinzeitlichen Jägern durch Feuer zu einer Kulturlandschaft erschlossen wurde. Wissenschaftler mehrerer deutscher Universitäten und der Addis Abeba Universität in Äthiopien untersuchen diese Fragestellung aus unterschiedlichen Blickwinkeln verschiedener Disziplinen, u.a. der Geographie, Geologie, Biologie und Archäologie.

Das archäologische Projekt erforscht die früheste Besiedlung der Hochgebirgsregion anhand von prähistorischen Siedlungsresten in Felsüberhängen. Aufgrund der harten Wetterbedingungen mit starken Winden, Nachttemperaturen unter dem Gefrierpunkt sowie starker Sonnenstrahlung am Tag, sind Felsüberhänge zu allen Zeiten bevorzugte Siedlungsplätze. Erste Ausgrabungen im Frühjahr 2017 erbrachten Siedlungsschichten mit kleinen Steinwerkzeugen, so genannten Mikrolithen, die als Geschoßspitzen von Pfeilen dienten und charakteristische Werkzeuge des Later Stone Age waren. Die gefundenen Knochen der Jagdfauna wie auch die Holzarten der aus den Feuerstellen geborgenen Holzkohlen geben nicht nur Hinweise auf die Subsistenzweise der Menschen, sondern erlauben auch Rückschlüsse auf die damaligen Umweltverhältnisse. Beide Fundgattungen ermöglichen zudem die Datierung der Fundschichten mit Hilfe der Radiokarbon-Methode und belegen folglich eine Nutzung der Hochgebirgsregion seit 4000 Jahren. Weitere Ausgrabungen werden diesen Zeitrahmen hoffentlich noch in ältere Zeiträume verschieben und dadurch letztlich eine Antwort auf die Fragen geben, wann und warum die früheste Besiedlung afrikanischer Hochgebirgsregionen durch den Menschen erfolgte.

Text: Ralf Vogelsang

 

 Abbildung unten:Zahlreiche Überhänge werden auch heutzutage noch saisonal von Hirten genutzt. (Foto R. Vogelsang)



Kontakt

Institut für Ur- und Frühgeschichte, Forschungsstelle Altsteinzeit
Dr. Ralf Vogelsang, Dr. Götz Ossendorf, Minassie Girma Tekelemariam

Dr. Ralf Vogelsang

E-Mail r.vogelsang(at)uni-koeln.de


Website