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Forschungsprojekte der Philosophischen Fakultät 2018/2019

Handschrift mit dem Beginn des Capitulare legibus additum Karls des Großen (803). Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 299 Gud. Lat., fol. 34v

Capitularia

Edition der fränkischen Herrschererlasse

Prof. Dr. Karl Ubl | Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters

Gefördert durch das Akademienprogramm / Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste

Das Projekt erarbeitet eine neue Edition der fränkischen Herrschererlasse. Diese Texte – nach ihrer Aufteilung in einzelne Kapitel „Kapitularien“ genannt – gehören zu den wichtigsten Quellen der Geschichte des Frankenreiches, das vom 6. bis zum 9. Jahrhundert große Teile Mittel- und Westeuropas umfasste.
Die Neuedition setzt sich zum Ziel, der besonderen Überlieferungssituation dieser Quellengattung gerecht zu werden. Die Kapitularien sind als Einzelstücke aus Beratungen und Versammlungen am Hof hervorgegangen, überliefert sind sie jedoch ausschließlich im Rahmen von Sammlungen, die dezentral von Funktionsträgern des Herrschers zusammengestellt wurden. Die Edition wird daher parallel zwei Ziele verfolgen, die in einem gemeinsamen Erschließungs- und Editionsprozess erreicht werden: Zum einen sollen die Herrschererlasse als Einzelstücke kritisch ediert und in ihrer rekonstruierten Form mit Übersetzung in Buchform publiziert werden; zum anderen sollen die für die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte zentralen Sammlungen erschlossen und in einer digitalen Edition für die Forschung zugänglich gemacht werden.
Die digitale Edition liefert mit den Transkriptionen der einzelnen Kapitulariensammlungen in fast 300 Überlieferungszeugen nicht nur die Grundlage für die kritische Printedition, sondern ist als dauerhafte Ergänzung zu dieser angelegt. Für die historische Forschung ist nämlich nicht nur der originale, rekonstruierte Wortlaut von Interesse, sondern auch die Zusammenstellung und Anordnung der Stücke sowie der in den Sammlungen überlieferte Wortlaut, in dem diese Texte verbreitet, gelesen und angewandt wurden. Durch die Kombination von digitaler und Printedition wird der Weg vom kritischen Text zurück zu den einzelnen Überlieferungszeugen dokumentiert und der historische Eigenwert der Sammlungen gewürdigt. Zugleich bietet die Projekthomepage eine Plattform, auf der neue Erkenntnisse zum Inhalt und zur Überlieferung der Kapitularien zusammengeführt und präsentiert werden können.
Das im Rahmen des Akademienprogramms geförderte Langzeitprojekt wird von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste betreut. Projektpartner für die technische Umsetzung ist das Cologne Center for eHumanities (CCeH).


Text: Dr. Britta Mischke

Kontakt

Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters
Prof. Dr. Karl Ubl

Weitere Mitarbeiter*innen: Patrick Breternitz, Semih Heinen M.A., Dr. Sören Kaschke, Dr. Britta Mischke, Dominik Trump M.A.

E-Mail karl.ubl(at)uni-koeln.de


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