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Zum Tode von Herrn Prof. Dr. Erich Meuthen (1929-2018)

Am 11. Juni 2018 verstarb im Alter von 89 Jahren Erich Meuthen, langjähriger

Lehrstuhlinhaber für Mittelalterliche Geschichte an der Universität zu Köln.

Erich Meuthen wuchs im Rheinland in einem stark katholisch geprägten Umfeld in
einer Lehrerfamilie auf; diese Herkunft sollte für seine späteren wissenschaftlichen
Interessen prägend bleiben. Er studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie in
Köln, wo er 1954 mit einer Arbeit über den Theologen und Kirchenreformer im 12.
Jahrhundert, Gerhoch von Reichersberg, promoviert wurde. Von 1954 bis 1959 hielt
Meuthen sich in Italien zu Forschungszwecken auf. Daran schloss sich die Ausbildung
zum Archivar am Nordrheinwestfälischen Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf an. Er trat in
den Archivdienst ein, in dem er bis 1971, zuletzt als Archivdirektor in Aachen, tätig war.
1967 habilitierte er sich dort über die Aachener Pröpste.

Der souveräne Umgang mit Quellen blieb zeitlebens ein Charakteristikum seiner eigenen
Forschung, seine Editionen setzten neue Standards. Von 1971 bis 1976 war Meuthen
ordentlicher Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Bern; er
wechselte 1976 nach Köln und wurde Nachfolger von Theodor Schieffer; der Kölner
Universität blieb er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1995 treu. Zudem übernahm er
von seinem Vorgänger die Leitung des Universitätsarchivs und behielt diese bis ins Jahr
2001. Schon im Laufe seines Studiums begann Erich Meuthen, sich für Nikolaus von Kues
zu interessieren. Sein Leben lang begleitete ihn dieses Thema und zahllose
Forschungsbeiträge galten dem deutschen Humanisten Cusanus. Sein Werk „Nikolaus
von Kues 1401–1464. Skizze einer Biographie“ erschien 1992 in der 7. überarbeiteten
Auflage und wurde sogar ins Englische und Japanische übersetzt.

Zudem begründete er mit Hermann Hallauer die Editionsreihe „Acta Cusana“, die ihm besonders am Herzen lag. Weitere Forschungsschwerpunkte galten dem Konzil von Basel (1431-1449) und der Kölner Universitätsschichte. Sein 1988 zum 600jährigen Jubiläum erschienener Band „Die alte Universität Köln“ ist bis heute das Grundlagenwerk und gilt als zentraler Beitrag zur Erforschung mittelalterlicher Universitäten. Sein Band zum 15. Jahrhundert in der Reihe „Oldenbourg Grundriss der Geschichte“ trug maßgeblich zu einer Neubewertung des Spätmittelalters bei.

Sein Ruf als exzellenter Wissenschaftler brachte eine Reihe von ehrenvollen Mitgliedschaften sowie Aufgaben im Wissenschaftsmanagement mit sich: Seit 1977 war er korrespondierendes Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften. Er gehörte über zwanzig Jahre lang dem wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Historischen Instituts in Rom an. In der Nachfolge von Hermann Heimpel betreute er die Ältere Reihe der Deutschen Reichstagsakten und er gehörte viele Jahre lang zum Herausgeberkreis der Historischen Zeitschrift. Für außerordentliche Leistungen im Dienste der Universität zu Köln wurde er 1993 mit der Universitätsmedaille geehrt.

Das Historische Institut der Universität zu Köln trauert um Erich Meuthen und wird sein Andenken in Ehren halten.