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Forschungsprojekte der Philosophischen Fakultät 2018/2019

Tabula Peutingeriana (Segment) Foto: Silke Diederich

Kommentar zur Tabula Peutingeriana

Prof. Dr. Michael Rathmann (KU Eichstätt), PD Dr. Silke Diederich
(Universität zu Köln) | Institut für Altertumskunde (Klassische Philologie)

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Die Tabula Peutingeriana, seit 2007 UNESCO Welterbe, ist ein einzigartiges Zeugnis der Kartographiegeschichte. Das uns vorliegende Exemplar ist die um 1200 n.Chr. entstandene Kopie einer Darstellung geographischen Wissens, deren letzte Überarbeitung wohl um 435 anzusetzen ist. Da es sich um die einzige großformatige Karte handelt, die aus der Antike überliefert ist, wird klar, wie essentiell die Analyse dieses einmaligen Zeugnisses für unser Verständnis der Raumauffassung in der Antike ist. Singulär ist bereits das kuriose Format dieser Pergamentrolle: Mit einer Länge von knapp 6,70 m und einer Höhe von lediglich 33 cm bildet die Tabula die Oikumene von Iberien (der Anfang ist nicht erhalten) bis Indien in einer extremen Verzerrung ab. Wir fassen hier eine antike Traditionslinie nichtmaßstäblicher Karten außerhalb der hochelitären mathematischen Geographie, die Rückschlüsse auf das geographische Wissen eines breiteren Publikums innerhalb der römischen Oberschicht erlaubt und seit über 250 Jahren immer wieder neue wissenschaftliche Diskussionen entfacht.
Das DFG-Projekt greift diese Forschungskontroversen auf und fokussiert dabei vor allem auf folgende Aspekte: Zeitstellung und Entstehungsstufen, Bezüge zu anderen Kartenwerken sowie literarisch-geographischen Quellen, Design, Korrektheit und Benutzbarkeit, Zweckbestimmung und Publikum, sowie Umfang der mittelalterlichen Modifikationen und möglicher Kopistenfehler.
Der bei der Kommentierung und Auswertung der rund 3.600 Toponyme gewählte Zugang ist in vielerlei Hinsicht innovativ: Die gängigen Theorien zu Datierung, Quellen und Zweckbestimmung werden in Frage gestellt. So wird eine früh- hellenistische Grundform der TP angenommen, woraus sich Konsequenzen für die Geschichte der antiken Kartographie als Ganzes ergeben, die neu zu durchdenken ist. Außerdem sollen statt einer fixen Datierung die verschiedenen Bearbeitungsstufen im Vordergrund stehen. Die TP soll dabei als „work in progress“ gedeutet werden, deren Zweckbestimmung mit ihren sich wandelnden historisch-kulturellen Hintergründen möglicherweise wechselte. Gestützt auf moderne Raumtheorien soll die TP als ein Kulturzeugnis verstanden werden, das dokumentiert, wie Menschen diese besondere Form der Darstellung eines geographischen, aber auch gesellschaftlichen, politischen und religiösen Raumes im Wandel der Zeit genutzt haben. Ihre Deutung als Wissensspeicher und Medium der Memoria erlaubt Rückschlüsse auf Methoden, Möglichkeiten und Grenzen des Generierens und Tradierens von Wissen allgemein.
Der Kommentar erscheint u.a. als interaktive open access Datenbank, verlinkt mit einer digitalen Reproduktion der Karte.


Text: Silke Diederich

Kontakt

Institut für Altertumskunde (Klassische Philologie)
Prof. Dr. Michael Rathmann (KU Eichstätt), PD Dr. Silke Diederich

Weitere Mitarbeiter*innen: apl. Prof. Dr. Monika Schuol (FU Berlin)

E-Mail mail(at)diederich-mayen.de


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