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Fakultätspreise für Abschlussarbeiten


Bachelorarbeiten


Henry Lorenz Bischoff

Die Westfälische Zeitung als „wirklich loyale Opposition“. Subventionierte Tendenzwende in der preußischen Provinz nach der Revolution von 1848/49?

Betreuende Gutachterin: Prof.'in Dr. Ute Planert - Historisches Institut/ Neuere Geschichte

Die Bachelorarbeit von Henry Bischoff widmet sich einem Forschungsfeld, das trotz seiner zentralen Bedeutung für die Geschichte politischer Öffentlichkeit lange im Schatten gestanden hat: der preußischen Pressepolitik in der Reaktionszeit nach den Revolutionen von 1848/49.

Am Beispiel der Westfälischen Zeitung und ihres Verlegers Wilhelm Crüwell untersucht arbeitet Henry Bischoff überzeugend heraus, wie es der preußischen Regierung gelang, oppositionelle Presseorgane nicht durch offene Zensur, sondern durch wirtschaftlichen und administrativen Druck nachhaltig zu disziplinieren. Damit greift die Arbeit eine bislang nur unzureichend erforschte Fragestellung auf und schließt eine wichtige Forschungslücke. Auf der Grundlage umfangreicher Archivrecherchen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen rekonstruiert die Arbeit die Handlungsspielräume staatlicher Behörden ebenso wie die Strategien eines demokratischen Verlegers, der zwischen politischer Überzeugung und wirtschaftlichem Überleben lavieren musste.

Mit großer analytischer Souveränität verbindet Henry Bischoff dichte Quelleninterpretation mit einer präzisen Einordnung in die Forschung und zeichnet zugleich die Wechselwirkungen zwischen politischer Repression, ökonomischen Zwängen und publizistischen Anpassungsstrategien nach. Dabei entsteht ein differenziertes Bild der Reaktionspolitik, das weit über vereinfachende Vorstellungen staatlicher Zensur hinausführt.

Die Studie ragt durch ihre Eigenständigkeit, ihre methodische Reife und ihre sprachliche Eleganz heraus. Sie stellt eine originäre Forschungsleistung dar, die die Anforderungen einer Bachelorarbeit deutlich übertrifft und einen wichtigen Beitrag zur Geschichte von Presse, Öffentlichkeit und politischer Herrschaft im 19. Jahrhundert leistet.
 



Sonja Saika Petters

Untersuchungen zu der Darstellung der puella in der 5. Elegie des Maximian im Vergleich zu Ovids Amores 3.7

Betreuende Gutachterin: Prof*in Dr. Anja Bettenworth - Institut für Altertumskunde

Die Arbeit widmet sich dem selten behandelten spätantiken, wohl im 6. Jh. nach Chr. schreibenden Autor Maximian und untersucht seine Darstellung der elegischen Geliebten – inszeniert als ein namenloses „griechisches Mädchen“, eine sexuell erfahrene junge Frau, die sich vergeblich um die momentan impotente persona des Dichters bemüht und ihn schließlich beschämt zurücklässt. Die Forschungsliteratur hat zwar Ovids Amores häufiger als mögliches Vorbild genannt und mögliche Aussageabsichten Maximians diskutiert, aber es fehlte bisher ein wirklich eingehender analytischer Vergleich der zentralen Figur der puella bei Maximian mit anderen elegischen Geliebten, der weitergehende Schlüsse erst erlaubt. Diese Forschungslücke schließt die Verfasserin in sehr überzeugender Weise und leistet damit weit mehr, als üblicherweise in einer Bachelorarbeit erwartet wird. Durch den Einsatz verschiedener Untersuchungsmethoden – der Verknüpfung eines close reading des Textes mit quantitativen Aspekten zu Redeanteilen und Handlungsformen des Verbs – gelingt der Verfasserin eine erhellende Analyse, die sprachliche Nuancen, Binnenbezüge und metrische Besonderheiten sichtbar macht und durch den Detailvergleich Maximians Spiel mit Motiven und Figuren der Gattung, aber insbesondere mit Ovid herausstellt. Dabei zeigt sie im Detail, wie gerade an der Umkehrung oder Neuausrichtung ähnlicher Elemente Maximians kreative Auseinandersetzung mit Ovid deutlich wird. Und ganz nebenbei liefert die Verfasserin den Beweis, dass der literarische und erotische Reiz der Texte durch eine wissenschaftliche Analyse nicht zerstört werden muss, sondern durch das gewonnene Verständnis der sprachlichen und kulturellen Strategien sogar noch gewinnen kann. Darüber hinaus ist die Arbeit selbst elegant geschrieben und in ihrer Unaufdringlichkeit überaus ansprechend.

Bachelorarbeit (PDF)
 


Masterarbeiten



Charlene Fündgens

Schul-, Kunst- und Wunderhunde. Performative Mensch-Tier-Praktiken im langen 19. Jahrhundert

Betreuende Gutachterin: PD Dr. Nina Verheyen - Historisches Institut/ Neuere Geschichte

Die Masterarbeit von Charlene Fündgens erarbeitet auf eine im höchsten Maße eigenständige und innovative Weise ein Phänomen der Varieté-Kultur des 19. Jahrhunderts – Hunde als ‚Performer‘ auf der Bühne. Die Studie setzt auf der Schnittstelle zwischen Geschichts- und Theaterwissenschaften an und untersucht auf der Grundlage einer breiten Quellenbasis, auf welche Weise Menschen und Tiere in sogenannten Kunsthundenummern interagiert haben.

Leitend ist dabei die Perspektive der Human Animal Studies, aus der heraus zum einen nach Szenarien gefragt wird, in denen die Mensch-Tier-Grenze überschritten wird, z.B. wenn Hunde auf der Bühne Karten spielen. Zum anderen und vor allem stehen aber die Spuren derjenigen Gewalt im Zentrum des Interesses, die den Tieraufführungen mehr oder weniger offensichtlich zugrunde lag: Charlene Fündgens wertet zeitgenössische Dressurratgeber und Traktate zur Psychologie von Tieren aus, analysiert die Nähe von bildlichen Tierdarstellungen zu rassistischen Stereotypen und geht den ökonomischen Zusammenhängen des Handels mit dressierten Hunden nach. Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven entsteht ein überaus anschauliches Panorama von Aufführungspraktiken, das den Mythos einer ‚zahmen‘ Dressur nachhaltig entzaubert: Tatsächlich sind die „Hundeperformer“ vom ersten Training an einem Regime der Gewalt unterworfen, das bis zu für das Publikum nicht wahrnehmbaren Kontrollsignalen auf der Bühne reicht.

Die Frage, auf welche Weise unter diesen Umständen die eigenständige Handlungsmacht der Hunde rekonstruiert werden kann, deren Perspektive im Unterschied von den vielen menschlichen Darstellungen von „Wunderhunden“ nicht aktenkundig ist, bildet dabei den Fluchtpunkt einer Masterarbeit, deren herausragende Qualität im souveränen Umgang mit vielfältigen Quellen sowie der engagierten Argumentation im Sinne der Animal Studies zu sehen ist und für die das Erstgutachten eine Veröffentlichungsempfehlung ausspricht. Für diese überdurchschnittliche Leistung erkennt die Philosophische Fakultät Charlene Fündgens einen Preis zu.
 



Alexandra Lioba Galley

De Facto Eugenics: Covert Reproductive Control in Carceral California from the 1980s to the 2010s

Betreuender Gutachter: Dr. Jacob Birken - Historisches Institut/Abt. für Nordamerikanische Geschichte

In ihrer Masterarbeit im Fach Nordamerikanische Geschichte schlägt Alexandra Galley vor, das kalifornische Gefängnissystem als biopolitische Institution zu lesen, die mit den Verfahren des Strafvollzugs auch die Reproduktion bestimmter gesellschaftlicher Gruppen kontrolliert. Historiografisch reflektiert arbeitet Galley das Fortwirken eugenischer Praktiken heraus – nämlich als System einer „de facto Eugenik", die auch nach der offiziellen Abschaffung eines staatlichen eugenischen Programms 1979 auf verschiedenen Ebenen weiterhin wirksam bleibt. Wie Frau Galley an zahlreichen Beispielen zeigen kann, reichen diese Effekte von einer strukturellen Verunmöglichung familiärer Sorge- und Betreuungsaufgaben für inhaftierte Personen bis hin zu schockierenden Fällen der Zwangssterilisierung inhaftierter Frauen.
Methodisch klug verbindet die Verfasserin Diskursanalysen politischer Reden, Wahlkampagnen und Presseberichte mit der Auswertung von Gerichtsentscheidungen und Oral-History-Interviews mit Gefängnis-Insass*innen. Sie leitet die Begriffsgeschichte der Eugenik präzise her, bettet diese hervorragend in aktuelle Forschungsdiskurse der "neo-eugenics" ein und verknüpft diese – theoretisch anspruchsvoll – mit Ansätzen der Intersektionalität.
Die Arbeit ist klar argumentiert und fachlich ausgesprochen überzeugend, sie ist mit hoher Eigenständigkeit und Stringenz geschrieben, liest sich pointiert und klar in der Argumentation. Die Kommission schließt sich dem Erstgutachter Dr. Jacob Birken an, der die Masterarbeit von Alexandra Galley als "sinnvollen Beitrag zur Zeitgeschichte der USA" würdigt und als „wertvolles und entsprechend preiswürdiges Fundament" für eine geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der Eugenik in den USA.

Masterarbeit (PDF)
 



Fabian Thomas Lüke

Returning to Moravian Hill: Presence, Absence, and Urban Dis/Continuity of the Moraviajn Church in Cape Town’s District Six

Betreuender Gutachter: Prof. Dr. Martin Zillinger) - Institut für Ethnologie

Der auch aus der Familiengeschichte des Verfassers motivierte Gegenstand der Masterarbeit von Fabian Lüke ist die Rückkehr der Herrnhuther Gemeinde in ihre unter dem südafrikanischen Apartheids-Regime zwangsverkaufte Kirche auf dem Moravian Hill im District Six von Kapstadt. Die Studie fragt aus ethnologischer Perspektive nach den konkreten Praktiken und Erzählungen, mittels derer die auf den Pietismus des 18. Jahrhunderts zurückführbare Gemeinde ihren Ort zwischen Tradition und Gegenwart aushandelt. Hierzu stützt sich Fabian Lüke zum einen auf theoretische Konzepte der Erinnerungspolitik, zum anderen auf Interviewaussagen einzelner Gemeindemitglieder, hinzu kommen Archivmaterial und zahlreiche Abbildungen. All dies wird wenig im Sinne einer systematischen Argumentation zusammengefügt, sondern als eine Konstellation aus unterschiedlichen Materialien, Perspektiven und Geschichten nebeneinandergestellt, wodurch die Masterarbeit auch hinsichtlich ihrer Methodik und Darstellungsweise hochgradig innovativ erscheint.

Ihre theoretische Leitfrage lautet, auf welche Weise in der konkreten Gemeindepraxis des Wideraufbaus das Gedenken an den Verlust und der Entwurf der Zukunft vermittelt werden können. Herr Lüke betrachtet die Neugründung des Moravian Hill als Beispiel für einen Ansatz, bei dem an die Stelle des Versuchs einer tatsächlichen Wiederbelebung der Vergangenheit eine kritische Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe und den Praktiken seiner Zitation tritt. Auf diese Weise können die Projekte der Wiederkehr und Wiederaneignung als rhetorische Tropen eines Erinnerungsdiskurses kenntlich gemacht werden und nicht als Praxis oder Anspruch einer identischen Restitution des Vergangenen.

Dadurch stellt die Masterarbeit von Fabian Lüke nicht nur eine hoch spannende Fallstudie dar, sondern leistet auch einen kritischen Beitrag zur kulturellen Gedächtnisforschung aus praxeologischer Perspektive. Das Erstgutachten schlägt den Ausbau der Untersuchung zu einer Dissertationsschrift vor und die Philosophische Fakultät würdigt diese hervorragende Leistung mit einem Preis.
 


Examensfeier | Wintersemester 2026/2027

Wir laden Sie, Ihre Familie, Freunde und Freundinnen
herzlich zur Examensfeier am Freitag, 05. Februar 2027 ein.

Beginn: 15 Uhr | Aula 1+2 | Hauptgebäude der Universität zu Köln | Albertus-Magnus-Platz | 50923 Köln

Festliche Kleidung ist erwünscht.
Anzahl der Gäste: max. 6

Anmeldung: Bitte bis spätestens zum 02. Februar 2027 unter
claudia.doehring(at)uni-koeln(dot)de